Igor Schestkow "Die Prinzessin"

 

 

 

DIE PRINZESSIN

 

Des kurzen Lebens sanfter Schatten

strich leise über uns hinweg

                               (F. Tjutschew)

 

Im Radio wurde berichtet, Bokassa sei vom Thron gestürzt worden - und ich wurde von der Laborleitung zum Ernteeinsatz geschickt. Um halb fünf rief mich der Chef und sagte: "Du bist hier der Jüngste und Gesündeste, also machst du dich morgen auf nach Svenigorod. Von der Haltestelle fährst du noch zehn Minuten mit dem Bus, dann begibst du dich ins Pionierlager "Junge Agronomen auf Mitschurins Spur". Dort stellst du dich dem Genossen Barschnikow vor, frag dich durch. Ich habe bei der Sitzung nach Kräften versucht, denen das auszureden, aber die schriftliche Vorgabe von ganz oben war knallhart: Zwei Mitglieder jedes Laboratoriums haben auf der Kolchose zu helfen. Den zweiten konnte ich abschmettern, aber du fährst auf jeden Fall. Basta. Stell dich nicht so an, eine Woche an der frischen Luft tut dir gut. Vielleicht kriegst du sogar den Kopf frei für neue Ideen."

Wenn der Chef jemanden zu etwas zwingen wollte, erschienen auf seinen grauen, pickeligen Schläfen dicke Äderchen wie rote Drähte. Die Ohren wurden ebenfalls rot, die Augen schwollen grimmig an. Sein Körper straffte sich, als wollte er zum Sprung ansetzen, und die Falten im unteren Teil seines Gesichts gaben im endgültig das Aussehen einer Bulldogge. Man dachte, gleich fängt er an zu knurren und schlägt einem die Reißzähne ins Bein. Ich widersprach diesem aggressiven Tattergreis nicht. Es hatte keinen Zweck, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, man musste ja doch zum Ernteeinsatz, wenn es so beschlossen war. Selber schuld.

Inwiefern schuld?

Ganz einfach. Ich war nicht nur in der Hundescheiße, sprich: in der Sowjetunion geboren, sondern auch in den Genuss von deren Klippschulsystem gekommen, hatte die stalinistische Schlangengrube namens "Lomonossow-Universität" überlebt und arbeitete nun in diesem elenden Institut wie das liebe Vieh.

Aber bitte, konkret: Was heißt denn da "schuld"?

Nun gut, konkret: Ich war selber schuld daran, weil ich Angst hatte, auch nur den Antrag auf Ausreise zu stellen. Der Wisch mit der Einladung aus Israel lag schon seit drei Monaten zu Hause zwischen Büchern versteckt. Und du hast dich noch nicht einmal entschließen können, die Sache mit deiner Frau zu besprechen, weil du weißt, dass sie nicht mitgehen wird. Nelka geht nirgendwohin. Sie kann doch ihre Mutter nicht alleinlassen. Nelka möchte hier Karriere machen, und du willst ihr das Dach über dem Kopf wegnehmen? Was soll sie denn im Westen mit ihrem Diplom von der philosophischen Fakultät anfangen? Und was willst du selbst da anfangen?

Aufs Amt für Visa-Angelegenheiten traust du dich doch sowieso nicht. Dann gib dich halt mit deiner Lage zufrieden, andere haben das schließlich auch getan. Deine Klassenkameraden allerdings, die nach Yale oder an eine kalifornische Uni gegangen sind, machen sich mit ihren Promotionen einen schönen Lenz - da kannst du ruhig auf die Kolchose fahren und faule Kartoffeln ausgraben. Heul nicht rum, du Jammerlappen!

Am nächsten Tag holte ich vom Zwischenstock meinen Militärschlafsack mit Eiderdaunen, den ich früher einmal bei einem Alpinisten gegen drei chinesische Taschenlampen eingetauscht hatte. Der kletterte dann ein paar Jahre später im Kaukasus auf einen berühmten Gletscherberg, fand aber den Rückweg nicht mehr und sitzt wahrscheinlich in tiefgefrorenem Zustand immer noch dort. Ich schnappte mir meinen Rucksack, gab der schlafenden Ehefrau einen Schmatz hinters Ohr und machte mich aus dem Haus.

Anderthalb Stunden brauchte ich durch die Stadt bis zum Weißrussischen Bahnhof. Dann wieder anderthalb Stunden mit der S-Bahn bis Svenigorod. Der Bus nach Mjatino fuhr einmal die Stunde. Ich wartete ausgiebig. Danach musste ich einen Kilometer auf Schusters Rappen zurücklegen, bis ich endlich bei diesen seltsamen "Jungen Agronomen von Mitschurins Gnaden" anlangte.

Ich ging durch das Eingangstor. Nur wohin jetzt? Weiß der Geier.

Keiner war da, den man fragen konnte. An der besonderen Schäbigkeit der Bauweise erkannte ich den Verwaltungstrakt. Dabei half auch ein Plakat, von dem der klapperdürre Mitschurin, ein berühmter Agrar-Biologe, missgelaunt auf saftige Äpfel schaut, unter denen sich das Zitat befindet: "Wir können von der Natur keine milden Gaben erwarten".

Ich klopfte, rüttelte an der Klinke, aber die Eingangstüren wollte nicht aufgehen. Wie gerne hätte ich sie mit dem Fuß eingetreten, aber ich traute mich nicht. Die Schlösser stammten noch aus Stalins Zeiten und sahen unbezwingbar aus. Daran hätte man sich eher die Finger gebrochen.

Keiner war da, nichts war zu sehen, alles mucksmäuschenstill.

Hatten sie sich komplett in Luft aufgelöst? Das wäre ein feines Begrüßungsgeschenk! Die Hoffnung ist der Jugend Nahrung, dem Alter gibt sie Halt und Trost...

Ich fand eine Art hölzerne Außentreppe, wischte den Staub ab, setzte mich auf den Schlafsack, legte mir den Rucksack unters Kreuz und döste ein.

Nach etwa zwei Stunden ertönten Stimmen. Eine Schar von Wissenschaftlern, die man aus Moskau hierher zur Kartoffelernte verschickt hatte, kam ächzend und stöhnend mit staubigen Wattejacken vom Acker zurück. Von irgendwoher tauchte auch dieser Barschnikow auf, Typ Bohnenstange mit Kartoffelgesicht. Er fand mich in seiner riesigen, schwarzen Kladde, machte ein Häkchen vor meinem Namen und schrieb Tag und Uhrzeit der Ankunft in die Ecke daneben. Er führte mich in den Männerschlafsaal, der 35 Leuten Platz gab und nach ungewaschenen Socken stank. Dort wies er mir eine freie Pritsche an. Er zeigte mir, wo es Futter gab - Frühstück von 7.00 bis 9.00 Uhr - , wo man sich erleichtern konnte und wo man Wattejacke, Arbeitshandschuhe und Stiefel bekam. Die Dusche funktionierte zur Zeit nicht, so wurde ich aufgeklärt.

Vor dem Einschlafen lag ich auf meinem spartanischen Quietschbett mit der volkseigenen Kolter und hörte durch den warmen Schlafsaal das auf- und abschwellende Schnarchen meiner Leidensgenossen. Da empfand ich fast so etwas wie Glück. Das war die Euphorie des Strafgefangenen angesichts der Tatsache, dass die Lagerleitung einem gnädigst erlaubt hatte, vom Zapfenstreich bis zum Wecksignal durchzuschlafen. Ich hatte sogar ein wenig Bammel vor meiner eigenen Feigheit und Faulheit, kannte aber diesen Mechanismus: Die seltsame Dankbarkeitswallung führt dazu, dass man die eigenen Schwächen spürt - die natürlich jeder von uns hat. Angeborene Speichelleckerei des Sowjetmenschen.

Am nächsten Tag rückte ich als Mitglied der Brigade Nr. 3 zur Arbeit aus.

Für den Anfang wies man mir eine leichte Tätigkeit an der Sortiermaschine zu, was eigentlich als Frauenarbeit galt. Sechs Leute (fünf Frauen mittleren Alters aus benachbarten Laboratorien und ich) standen neben dem sich bewegenden und rüttelnden Band, auf dem die Kartoffeln transportiert wurden. Die Aufgabe bestand darin, offenkundig verfaulte Exemplare sowie Steine und Lehmbrocken auszusortieren. Die Frauen arbeiteten fleißig und fanden noch Spaß daran, ohne Unterlass über Institutsinterna zu schwatzen. Mich, der mit hochgekrempelten Ärmeln malochte, beäugten sie misstrauisch. Sie rückten kokett die Kragen ihrer Wattejacken zurecht, wiegten ihre dick in Tücher eingepackten Köpfe und schmierten sich Pomade auf die Lippen.

Nach einer Stunde merkte ich, dass diese Arbeit bei weitem nicht so leicht war, wie sie mir am Anfang vorgekommen war, auch dann nicht, wenn man sie nur mit halbem Einsatz betrieb. Vom Lärm und den Vibrationen taten Ohren und Zähne weh, die Hände kribbelten und wurden von Minute zu Minute schwächer, in den Knochen schienen sich Ameisen zu tummeln, viele Ameisen sogar. Der Rücken schmerzte, die Beine knickten ein, weshalb man dauernd von einem aufs andere treten musste. Vor den Augen verschwammen die rollenden Kartoffeln zu einem Strom jammernder Sünder in der Hölle.

Nach drei Stunden verspürte ich milde Anzeichen von Wahnsinn.

Ich schloss die Augen, sah aber immer noch diese verdammten Kartoffeln vor mir, die von rechts nach links kullerten, wirbelten, kreisten. Ich hatte Angst, ich könnte fallen und die elende Maschine würde mich verschlucken wie ein Fleischwolf, oder die ständige Erschütterung des Gehirns würde einen epileptischen Anfall auslösen.

Um halb zwei wurde die Maschine angehalten und wir schlichen lustlos in die Kantine.

Das Mittagessen war entsetzlich (Graubrot; Wassersuppe, in der grober Sand knirschte, mit Fäkalien abgeschmeckt; Graupen mit Fleisch - oder was sich eben so nannte; schließlich ein trüber Saft mit Apfelersatz). Danach hatte ich einen endlosen Schluckauf - und ging nicht an die Arbeit zurück, sondern verdrückte mich zur Moskwa, die einen halben Kilometer vom Lager entfernt floss. Unterwegs spähte ich nach allen Seiten wie ein Knastbruder auf der Flucht: Am Ende tauchte vielleicht dieser kartoffelgesichtige Barschnikow mit seiner schwarzen Kladde auf. Der würde mich glatt verpfeifen ("Ist kaum angekommen, der Schuft, und hat sich schon in den Wald verdrückt"). Dann kriege ich ordentlich eins auf die Mütze und muss in den Bau.

Endlich war ich aber am Fluss, ohne Barschnikow getroffen zu haben. Außerdem fand ich am Rande des Steilufers eine Gartenhütte, die so unglaublich hübsch war, dass sie eigentlich nicht von Sowjetmenschen gebaut sein konnte, sondern nur von einem italienischen Stararchitekten wie Aristotele Fioravanti. Da saß man gemütlich an einem sauberen, weißen Tresen, genoss den Blick auf den Fluss, träumte und döste ein wenig vor sich hin...

Ich kam wieder zu mir, als jemand in der Gartenhütte mit lauter Stimme ein bekanntes russisches Gedicht  von Tjutschew deklamierte. An einer Stelle brach die Stimme ab, und ich übernahm von da an unwillkürlich selbst die Rolle des Rezitators. Ich öffnete die Augen - neben mir stand ein sechzehnjähriges Mädchen und streckte sein wohlgeformtes Näschen in die Luft. Ihre Stimme tönte wie eine tibetanische Klangschale. Sie war eine echte Prinzessin.

Mehr Zeit will ich nicht mit der Beschreibung ihres Äußeren zubringen: Wenn Sie einmal Gelegenheit hatten, das Bild "Requiem" von Borisow-Musatow anzuschauen, dann erinnern Sie sich bestimmt an das Mädchen im weißen Kleid mit dem Fächer in der Hand. Bei Musatov ist sie allerdings älter. Plötzlich fühlte ich die in Tjutschews Gedicht beschriebene Hitze am ganzen Körper. Aber welche Hitze denn? Als ich die Gartenhütte betrat, war es kühl, ich schnaufte heftig, musste die Wattejacke schließen und ärgerte mich, dass die beiden oberen Knöpfe fehlten. Aber jetzt - jetzt war mir heiß...

Die Tageszeit hatte gewechselt. Es war heller Mittag, und ich trug nicht die erbärmlichen Kolchos-Lumpen, sondern einen eleganten Anzug. Meine Füßen steckten nicht etwa in Gummistiefeln mit klaffenden Löchern an der Seite - spitz zulaufende beige Lederschuhe schmückten sie. In der rechten Hand pendelte ein Stab aus Buchsbaumholz mit silbernem Knauf in Form eines Tigerkopfes, in der linken hielt ich einen mit Seide bezogenen Zylinder. Auf der Oberlippe sprosste ein erstklassig getrimmter Schnauzbart. Das Knopfloch im Revers meines Jacketts wurde von einer Lilien-Boutonniere geschmückt.

Im rechten Auge klemmte ein Monokel, die Uhrentasche war bestückt mit einem Federmeser und einer goldenen Schweizer Kettenuhr Marke Omega.

Zum Glück gab mir die Anwesenheit der jungen Dame im weißen Kleid keine Möglichkeit, über die Veränderungen zu philosophieren, die mit mir und meiner Umgebung vor sich gegangen waren. Sie kam zu mir, schaute mir keck in die Augen, rieb ihre Nasenspitze an meiner, kitzelte mich mit ihren herrlichen Locken und flüsterte schmachtend: "Baron, ich vergehe vor Lust. Nimm mich, hier und jetzt. Ich will es - hart und männlich. Was zögerst du? Ich gehöre dir mit Haut und Haar!"

Dabei spreizte sie höchst vulgär ihre Schenkel und hob ihr Kleid an. So konnte ich mich von der Tatsache überzeugen, dass sie darunter nichts trug als atlasreine Haut und ein kleines, dreieckiges Vlies, das sorgfältig onduliert und zart mit blinkendem Glimmer besetzt war. Sie warf den Kopf nach hinten und lehnte sich zurück, kicherte dabei aber fröhlich, gackerte ein paarmal wie ein junges Huhn und hüpfte mir gegenüber auf die Theke.

Mit der unerschütterlich blasierten Miene eines Grafen Bobby klopfte ich mir mit dem Stöckchen den Staub von der Hose und strich mir über den Schnurrbart. Es galt, die Einladung in gebührender Form anzunehmen.

"Verehrte Prinzessin, Sie schmeicheln mir sehr, ich hoffe nur, Sie werden mich hinterher nicht mit Gefühlsergüssen, Tränen oder Briefen überhäufen. Bitte rücken Sie mir nach gehabtem Vergnügen nicht zu sehr auf den Pelz und erzählen Sie Ihrem Herrn Papa, Ihren Brüdern und der halben Welt nicht in allen Einzelheiten, was geschah. Wir befinden uns hier in keinem französischen Liebesroman, auch wenn es Ihnen jetzt so scheinen mag - jetzt, bevor etwas geschieht, das sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Vielleicht sollten wir warten, ob nicht Ihr geschätzter Wunsch nach und nach an Dringlichkeit verliert. Ich bin Ihr ergebenster Diener, aber nicht etwa Wanjka, Ihr Lakai. Vielleicht sollten wir eine kleine Stärkung zu uns nehmen, vielleicht habe ich auch alles ganz falsch verstanden, ich Unglücksrabe... Ich bin ein hemmungsloser Bücherwurm, der haufenweise Literatur auf dem Dachboden hortet und nächtelang Schopenhauer liest."

"Ich will es jetzt, Baron, und zwar sofort!"

Dem konnte ich mich nicht entziehen. Ich warf Stock und Zylinder beiseite, neigte mich zu ihr, ließ das Monokel fallen...

Während wir uns liebten, machte sich meine Angebetete einen Spaß daraus, mich durch Jackett und Hemd hindurch bis aufs Blut zu beißen und mich einige Male höchst schmerzhaft an den Ohren zu ziehen. Sie zerdrückte meine Boutonniere und befleckte meine Hose mit Blut. Also war sie tatsächlich noch Virgo intacta!

Wir warteten noch ein wenig auf Wanjka, aber der kam nicht. Aus unserem kleinen Picknick schien nichts zu werden.

Bevor wir auseinandergingen, wollten wir uns im Fluss erfrischen. Wir ließen die Kleider in der Laube und sprangen vom Holzsteg aus splitternackt ins Wasser, das uns gleich bis zu den Hüften ging.

Es war herrlich: Sauber, klar, ein wenig süßlich im Geschmack... Fische kitzelten unsere Fußsohlen mit den Lippen, stattliche Trauerweiden schüttelten schüchtern die langen Finger ihrer Zweige, weiße und gelbe Schmetterlinge setzten sich auf unsere Schultern, flogen auf und begannen ihr Liebesspiel, grüne Libellen paarten sich - gar nicht schüchtern - auf unseren ausgestreckten Händen. Gleisende Sonnenstrahlen berauschten uns mit ihrem schwülen Wahn. Meine Prinzessin deklamierte ein weiteres Gedicht von Tjutschew (Wie schön war doch die gold'ne Zeit), dann schlang sie ihre Arme und Beine um meinen Körper.

Auf dem Weg zu meinem Landsitz trafen wir den Lakaien Wanjka. Er saß seelenruhig auf einer Lichtung im Schatten einer jungen Eiche und stopfte sich lüstern mit Früchten, Schinken und Spatzenleberpastete voll, die uns Marcello speziell für das Picknick zubereitete hatte. Das Körbchen, das er uns in die Laube bringen sollte, lag halb leer neben ihm. Wanjka aß mit den Händen und streifte sie im Gras ab. Er war so in seinem Genuss versunken, dass er uns gar nicht bemerkte.

In den Augen meiner Begleiterin funkelte der Zorn. Ich beschloss also, dem Lakaien eine Lektion zu erteilen, die er sein Leben lang nicht vergessen sollte und verpasste dem Nichtsnutz einen mächtigen Kinnhaken, von dem er auf der Stelle K. o ging. Wir zogen den Lümmel aus und fesselten ihn mit seinen eigenen Lumpen. Dann legten wir ihn mit dem Rücken nach oben und schlugen ihm mit Gerten, die etwa einen Meter lang und am Ende gespalten waren, auf die Fußsohlen.

Wanjka war natürlich aufgewacht, merkte, was im Gange war und begann mich anzubetteln und anzuflehen: "Herr Baron, bitte verzeihen Sie mir! Ich bin ein Dummkopf und ein Vielfraß, nur bitte, binden Sie mich los, mir ist das peinlich vor der Baronin. Sie tun mir Unrecht! Ich werde für Ihren Schinken und Ihre Birnen arbeiten, das dürfen Sie mir glauben. Aber ich bin doch kein Stück Vieh, das Sie auspeitschen können!"

Ich schnitt einige lange, biegsame Haselzweige ab, entfernte die Blätter und machte Gerten daraus. Vier dünne Ruten gab ich meiner Prinzessin, ich selbst nahm die dickeren. Ich holte aus und schlug Wanjka so fest ich nur konnte auf sein nacktes Hinterteil. Und wieder, und noch einmal...

Die Gerten pfiffen fröhlich durch die Luft.

Meine Holde tat es mir gleich. Sie stäupte ihn durch, die Kreuz und die Quer.

Ich bearbeitete seinen dicken Hintern und seinen breiten, warzigen Rücken, die Prinzessin legte es darauf an, ihm zwischen die Beine und auf seine Geschlechtsteile zu geben.

Wanjka schrie wie am Spieß. "Gnade, Gnade! Ich bitte Sie, hören Sie doch auf! Das ist eine Schande! Au, wie das weh tut! Um Christi Willen, ich flehe Sie an!"

Nach zehn Minuten schien mir, dass er genug hatte. Es war an der Zeit, ihn loszubinden und zum Dorffeldscher zu schicken, damit der die Wunden mit Wodka ausspülte und mit Talg einrieb. Nach zwei Tagen würde alles wieder sein wie neu. Aber die Prinzessin war noch nicht zufrieden und schlug immer weiter auf ihn ein.

Sie war nicht wiederzuerkennen. Ihr Gesicht war puterrot, der Schweiß rann ihr in Bächen herunter, ihr Kleid hatte sich zu einem gestaltlosen Klumpen verformt. 

Sie jaulte, röchelte und heulte dumpf wie ein Uhu. Dann stellte sie die Schläge plötzlich ein, griff sich mit den Händen an den Bauch, riss die Augen auf, brüllte, als hätte sie einen Orgasmus... und setzte sich ins Gras. Ich fing an zu lachen und dachte schon, das sei jetzt das Ende der Komödie, aber sie fuhr auf und begann dem stöhnenden Jungen mit ihrem rosigen Füßchen in die Hoden zu treten. Oh, diese Hexe!

Ich musste sie endlich von Wanjka wegziehen. Aber das gelang mir nicht. Sie entwand sich meinem Griff, schrie fürchterlich, riss sich das Kleid vom Leib und verwandelte sich in einen grünen, gehörnten Drachen. Im Nu hatte sie Wanjka in blutige Stücke gerissen, die sie schmatzend fraß - dann schaute sie mit ihrem schwarzen, grimmigen Auge nach mir. Ein Feuerball entstieg ihren Nüstern...

 

 

(Aus dem Russischen Klaus Kleinmann)

 

 

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