Igor Schestkow "Der Herr Max"

 

 

DER HERR MAX

Meine Freundin Ramona verlor ihre Unschuld mit 14 Jahren in einem kleinen, gemütlichen und malerischen Städtchen im Erzgebirge. Es heißt Ropau. Da gibt es ein Flüsschen, ein Schloss und viel schöne Aussicht. Wir fuhren später oft mit der S-Bahn dorthin auf die Datscha. Ramona züchtete Blumen, grub, pflanzte, jätete, schnitt... und ich saß auf der gestreiften Couch, die der Vorbesitzer hinterlassen hatte. Das war ein fanatischer Skatspieler, der sich nie die Finger mit Gartenarbeit schmutzig machte, sondern Bier in sich hineinschüttete, rauchte und Skat drosch, manchmal auch las und sich die Sonne auf den Bauch scheinen ließ.

Bevor wir nach Hause fuhren, gingen wir etwas außerhalb der Stadt in den "Die wilden Biber" und aßen dort zartrosa, im eigenen Saft gegarte Forellen mit Dill und Petersilie. Die wurden vor unsern Augen mit einem langen Kescher aus einem winzigen, dreißig Quadratmeter großen Teich geholt, der von dem schmalen Flüsschen abgetrennt war. In den Blüten der weißen Seerosen, die dort dicht an dicht wuchsen, lagen manchmal kleine, schwarze Schlangen, mit einem goldenen Kreuz auf dem Kopf und zu einem Kringel zusammengerollt. Ramona lebte mit Mama, Papa und Oma in einem Haus aus den 1850iger Jahren, in dem sich früher eine Frischräucherei befand. Ihr Zimmer roch immer noch nach Fisch, und statt einem Fenster gab es dort eine Klappe, die oben verglast war und direkt auf den Fluss hinausging. Durch diese Klappe verfrachteten die Fischer früher ihren Fang in die Räucherei. Das Zimmer lag drei Meter über dem Wasser und lief bei Überschwemmung voll. Deswegen hing Ramonas Bett an kurzen Holzstäben von der Zimmerdecke. Hoch da oben schlief Ramona. Sie gelangte auf einer Strickleiter hinauf. Darüber befand sich ein Türchen, das zum Speicher führte.Von dort aus konnte man aufs Dach klettern.

Im Sommer war es da unerträglich heiß, im Winter so kalt, dass sich Eiszapfen bildeten. Um sich aufzuwärmen, ging Ramona in die geheizte Küche. Dort saß sie abends im geflochtenen Sessel und blätterte in alten Ausgaben des Satiremagazins "ULK", das zu Bismarcks Zeiten und bis 1933 in Berlin erschien, zeitweise mit dem berühmten Kurt Tucholsky als Chefredakteur. Ramona hatte die Hefte in einem Dutzend verschnürter Pakete auf dem Speicher gefunden und vor ihrer Mutter versteckt, damit die sie nicht im Ofen verfeuerte. Kohle war nun einmal teuer, und es wurde mit allem geheizt, was brannte.

Anderen Lesestoff gab es nicht im Hause.

Besonders gefielen ihr die Karikaturen des letzten russische Zaren zu Zeiten des I. Weltkrieges. Zitternd vor Angst sitzt der kleine Nikolai zusammengekauert in einer Ecke seines herrschaftlichen Zuges. Der dümmliche Zar liest, mit seinem gnomenhaften Sohn auf den Knien, den Artikel: "Nachrichten von der Front". In der Nähe stehen zwei seiner Generäle, und einer sagt zum anderen: "Der wird das doch nicht etwa glauben?"

Der Zar, dargestellt als ein Huhn mit Krone, hält eine Henkersschlinge in der Hand, deutet mit seinem bekrallten Finger auf ein Gebäude mit Säulen, auf dem "Duma" steht, und schreit: "Hängt sie auf! Hängt sie alle auf!"

Ramonas Familie lebte, wie fast alle Arbeiterfamilien in der damaligen DDR, sehr ärmlich. Das Land hatte die Misswirtschaft der Nachkriegsjahre noch nicht verwunden, und die russischen Besatzer betrachteten ihre Zone als Selbstbedienungsladen. Sie entwendeten nicht nur Spezialisten, Maschinen, Buntmetalle, Autos, Schiffe, Lokomotiven, Flugzeuge, Filme, Strumpfhosen und Nähfäden, sie zogen sogar Nägel aus den Wänden, schraubten Lampen ab - und verfrachteten alles in die UdSSR. Außerdem hatte die DDR der siegreichen Sowjetunion Kriegsreparaturen in Form von Geld und Industrieprodukten zu bezahlen.

Ramonas Mutter arbeitete im städtischen Schlachthof, wo sie ihr Schwippschwager untergebracht hatte, der damals stellvertretender Direktor war. Deshalb bekam die Familie zweimal in der Woche Büchsenfleisch mit Sauerkraut. Die Mutter verdiente sich ein paar Groschen dazu, indem sie abends in der "Alten Brauerei" kellnerte, auch die Tochter musste dort saubermachen und Handlangerdienste tun. Die Gäste dieses Etablissements, meist gut betuchte Handwerker, klatschten der Mama wie dem Töchterlein krachend auf die hübschen Hinterbacken. Männer waren damals, ganz am Anfang der Sechzigerjahre, noch rar. Das wussten sie und profitierten davon. Trinkgeld gab es kaum, aber die Mutter nahm die nicht verzehrten Reste der Speisen mit nach Hause. Nur deswegen brauchte Ramonas Familie nicht zu hungern.

Der Vater arbeitete als Hauer im Uranbergwerk "Wismut". Für damalige Verhältnisse verdiente er gut, brachte das Geld aber nicht nach Hause, sondern setzte es in Alkohol um. Das tat er teils auf dem Gelände der "Wismut" selber, wo Goldgräberstimmung herrschte, dem Sozialismus und der sowjetischen Verwaltung zum Trotz. Es gab dort - ganz offiziell - Spelunken, in denen billiger Schnaps ausgeschenkt wurde. Außerdem gab es - weniger offiziell - öffentliche Häuser mit billigen Flittchen. Was er dort nicht durchbrachte, versoff er in der Stadt, und zwar genau in der "Alten Brauerei", wo er als Stammgast verkehrte und gerne eine große Lippe riskierte.

In den Neunzigerjahren machte ich nähere Bekanntschaft mit ihm. Da war er allerdings schon ein kranker, verbitterter Greis, wenn auch noch nicht alt an Jahren. Ich lernte ihn als schlechten Menschen, Egoisten und Rohling kennen, als echten Proleten. Die Familie bekam seine üble Laune zu spüren. Er schlug seine Frau, die Tochter machte sich aus dem Staub. Er stiftete Ärger und Verdruss. Nicht weit von Ramonas Haus wohnten früher zahlreiche Cousins und Cousinen nebst anderen Verwandten der väterlichen Linie. Sie alle, darunter vier Onkel, eine Tante, Ramonas Großmutter und eine Menge sonstiger Sprösslinge, setzten sich in Berlin eine Woche vor dem Bau der Mauer nach dem Westen ab. Ramonas Vater hätte zehn Tage später mit Frau und Kind ausreisen sollen, aber die Mausefalle hatte zugeschnappt, er saß darin und er regte sich fürchterlich auf. Das wurde nicht besser durch die Tatsache, dass seine Verwandten in der westdeutschen Autoindustrie als angesehene Bürger nach und nach Karriere und Geld machten. Also blieb er Hauer bei der "Wismut" und Stammgast in der "Alten Brauerei", wo er seinem Ärger freien Lauf ließ und auf die DDR schimpfte wie ein Rohrspatz. Er konnte sich das erlauben: Die durchschnittliche Lebensdauer eines Hauers, der Uran für die sowjetischen Atomwaffen förderte, lag bei 40 Jahren, aber Ramonas Vater erwies sich als harte Nuss. Er schaffte es bis 85.

Ramonas Mutter liebte Weihnachtsschmuck über alles - Holzfigürchen, Nussknacker, Räuchermännchen, Volkskunst aus dem Erzgebirge. Auch sie lernte ich in den Neunzigerjahren näher kennen, Gott sei mit ihr. Es steht mir nicht zu, über sie zu urteilen.

Nach der achten Klasse wäre Ramona gerne in die Oberstufe gegangen, aber ihre Eltern ließen das nicht zu, sondern steckten sie als Anlernling in die einzige Privatfirma Ropaus, eine Spinnerei.

Hier gebe ich Ramonas Geschichte wieder, die ich gute zwanzigmal gehört habe, meistens vor oder nach dem Sex. Es gilt anzumerken, dass Ramona ihre "einfache Geschichte" jedesmal ein wenig anders erzählte. Die Grundzüge blieben natürlich gleich, aber die Einzelheiten änderten sich von Mal zu Mal. Vielleicht mutierten sie.

...

 

Ramonas Geschichte

 

Ich war ein eigensinniges und bockiges Kind. So blieb ich auch in der "Alten Brauerei". Die Umstände hatten mich gelehrt, auf dem Quivive zu sein. Es widerstrebte mir, in der Spinnerei zu arbeiten, viel lieber wäre ich noch zur Schule gegangen. Die Klassenkameraden fehlten mir. Außerdem war ich bis über die Ohren in Herrn Knops, den Erdkundelehrer, verliebt. Er hatte so große, traurige Augen. Er sprach nicht laut, aber überzeugend, besonders wenn er über die Apartheid in Südafrika erzählte. Es ging das Gerücht, dass er bei der Waffen-SS war, aber ich konnte das nicht glauben. Später erwies es sich als Tatsache, er hat es mir selber erzählt. Jetzt haben wir erfahren, dass auch unser Großschriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger bei der Waffen-SS war. Er hat Berlin vor euch Russen verteidigt. Schlauerweise geriet er aber in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Ich flehte meine Mutter an, mich nicht aus der Schule zu nehmen, ich ging ihr damit richtig auf die Nerven, aber sie bedrängte und bekniete mich, ich solle doch Geld verdienen und die Eltern unterstützen, anstatt unnötig in der Schule herumzuhängen. Es setzte auch Ohrfeigen. Sie versprach, mich aus der "Alten Brauerei" zu nehmen. Na, und mein Vater? Der schrie mich an, fast dass er mich geprügelt hätte. Ich fing an zu weinen, und er hat die halbe Nacht mit meiner Mutter herumgestritten. Ich lauschte an der Tür und hörte, wie er schrie: "Du gehst selbst auf den Strich und willst, dass deine Tochter das auch macht. Weißt du denn gar nicht, wer da arbeitet, ein b..."

Gegen meinen Willen stimmte ich zu, beschloss aber bei mir selber, von zu Hause abzuhauen und nach Leipzig oder Berlin zu gehen, wenn ich erst genug Geld hatte. Nur raus aus dieser Stadt! So machte ich es auch, allerdings etwas später. Etwa ein Jahr musste ich in der Firma malochen. Hinterher, als ich meinen Job bei der Gewerkschaft hatte, wusste ich, wie ein Fabrikarbeiter lebt: Nicht viel anders als ein Hund oder ein Esel, in lebenslanger Sklaverei.

Das hatte ich am eigenen Leib erlebt und half, so gut ich konnte.

 

Meinen ersten Tag werde ich nie vergessen. Die Betriebsleitung konnte mich nicht gleich an die Webmaschine setzen, das war zu schwierig und zu gefährlich. Daher kam ich zuerst zum Bleichen, eine knochenharte, schmutzige Arbeit. Da gibt es Becken mit heißem Laugenwasser. Man muss schwere Stoffrollen herbringen, von einer Wanne in die andere befördern, sie waschen und noch andere Sachen tun, ich weiß nicht mehr genau. Heute geht das alles automatisch, aber dort in der Fabrik stammte die Ausrüstung aus dem Jahre 1910. Handarbeit war angesagt.

Also, der Direktor steckte mich in die Bleichhalle. Da ist es heiß, so um die 40°, es dampft und stinkt unerträglich nach Chlor. Lärm und Hektik. Das verrückteste aber war, dass die Arbeiterinnen, alles Weiber um die 50, mit nacktem Oberkörper herumliefen. Rot waren sie und aufgedunsen, verschwitzt, dickbäuchig und fett. Ihre riesigen Titten schlackerten herum. Sie schleppten die Stoffrollen, rührten das Wasser in den Wannen mit Holzlöffeln um und genierten sich in keiner Weise vor dem Direktor, einem bebrillten, kahlköpfigen Korinthenkacker. Alles haben sie mit ihm bequatscht.

Bei Licht betrachtet war er kein schlechter Kerl. Er half mir aus dieser verdammten Spinnerei heraus, wenn auch nicht ganz uneigennützig. Aber wer macht heute schon etwas ohne Eigennutz? Ich kenne niemanden.

Wozu das alles? Brauchte ich das? Nackt bis zu den Hüften, vor dem Direktor? Und die Arbeiter gehen alle durch die Bleichhalle, erwachsene Männer, natürlich in Klamotten, auch junge Mechanikerlehrlinge, vielleicht zwei, drei Jahre älter als ich. Ich war gerade mal 14, aber mir wuchsen schon Brüste wie große Pfirsiche. Ich habe mich deswegen entsetzlich geniert. Alle meine Freundinnen hatten kleine Brüste oder gar keine, die meisten waren noch flach wie Holland. Bei uns war nämlich Schmalhans Küchenmeister. Kein Fett, keine Vitamine. 

Also gut, ich habe im Umkleideraum meine Sachen ausgezogen und den fabrikeigenen Leinenrock übergestreift, der bis zum Knie ging. Darunter trug man nichts, nur eine Unterhose. Ich musste aber ein Kopftuch anziehen, damit keine Haare in die Maschine fallen. Außerdem bekam ich riesige Stiefel, damit die Beine nicht vom Chlor verätzt werden.

Da stehe ich also in der Umkleide, zittere und geniere mich entsetzlich, in die Halle hinauszugehen. Der Direktor kommt zu mir, glotzt mich an, und es fehlt nicht viel, dass ich losbrülle. Er versteht mich, dreht die Augen weg, sagt etwas Nettes und streicht mir ganz leicht über den Rücken. Mich trifft fast der Schlag. Dann nimmt er mich bei der Hand, führt mich in die Werkshalle, zeigt mir, was ich machen muss und wie, stellt mich meinen Kolleginnen vor. Immerhin, die Frauen waren in Ordnung. Alle waren Kriegswitwen, für die war ich beinahe noch ein Säugling. Sie beachteten mich gar nicht weiter.

Bis auf eine, Rumänin war sie und hatte früher im Lager gesessen. Sie war etwas jünger als die anderen und hatte krause Haare. Wenn niemand in der Nähe war, versuchte sie, meine Möpse zu begrabschen und mir am Hals herumzulutschen. Sie hat mich umarmt, mir etwas zugeflüstert, das wohl leidenschaftlich klingen sollte und dabei mit den Augendeckeln geklimpert.

Ich wusste nicht, was das sollte, habe sie aber nicht weggestoßen, sondern mit ihr gespielt und herumgealbert. Manchmal habe auch ich an ihren kleinen, braunen Tittchen herumgefingert. Aber das hat mich nicht weiter angemacht. Für die Liebe habe ich immer einen Mann gebraucht. Ja, am Anfang war es schwer. Vor Müdigkeit bin ich fast von den Füßen gekippt und habe furchtbar gehustet. Aber ich habe durchgehalten. Im Monat habe ich 120 Ostmark verdient. Die Hälfte davon hat meine Mutter sich unter den Nagel gerissen.

Doch dann geschah folgendes.

Bei uns hat so ein Opa die Webstühle als Techniker betreut. Das war der Herr Max. Heute würde er mir wahrscheinlich nicht mehr als Opa vorkommen, er hatte wohl gerade erst die Sechzig überschritten. Aber damals sah ich das anders.

Eines Tages erschien er bei uns in die Bleichhalle, sah mich und geriet merklich in Wallung. Nach dem Schichtwechsel kam er zu mir. Kavalier alter Schule, mit Anzug und Kravatte, dreieckigem Batisttuch in der Brusttasche, Brillantring am Finger, frisch manikürt und mit Duft eingesprüht. Er sprach mich höflich an und siezte mich.

"Fräulein Ramona, erlauben Sie mir, dass ich Sie nach Hause begleite. Ihr Name klingt so musikalisch, das weckt bei mir Erinnerungen."

Er nahm mich bei der Hand und geleitete mich, aber nicht zu mir nach Hause, sondern in den Park, an die Stelle, wo ein paar prähistorische Versteinerungen ausgestellt sind. Dann hat er mich zu sich nach Hause eingeladen. Ich ging mit ohne zu murren. Was wusste ich denn schon vom Leben? Zu Hause zofften sich meine Eltern in einer Tour, die Arbeit war die Hölle auf Erden, und dieser Mann hier wirkte kultiviert und gepflegt. Er war sogar schon in Paris.

 

Bei sich daheim ging er mir nicht gleich an die Wäsche, wie jeder andere das wohl an seiner Stelle getan hätte, sondern bewirtete mich mit Kaffee und Sahne, dazu gab es Schokolade. Er erzählte von den Champs-Elysées und vom Place Pigalle. Dann fuhr er mich mit seinem alten Motorrad mit Beiwagen heim. Ich war stolz wie eine Spanierin und gab bei meinen Freundinnen mächtig damit an.

Am nächsten Tag wiederholte sich das alles, aber ich bekam zusätzlich Blumen von ihm geschenkt, Nelken. Wir gingen ein bisschen über den Friedhof spazieren, da, wo die Gräber der Zigeunerkinder sind. Ich habe dir doch erzählt, dass SS-Leute bei uns die erwachsenen Zigeuner ins KZ verfrachtet haben, aber die Kinder, und es waren an die hundert, haben sie am Flussufer unter der Brücke erschossen. Einige sagen übrigens, sie wären von selber an Typhus gestorben.

Herr Max erzählte von seinen Abenteuern in französischer Gefangenschaft, wie sie im Lager Fußball gespielt haben, die deutschen Gefangenen gegen die französischen Wachleute, und die Franzosen haben verloren. Da sind sie ausgerastet und haben die Deutschen verprügelt. Max war schon damals sehr gewissenhaft und hatte für sich festgestellt, dass wir Deutschen das grausamste Volk auf Erden sind. Jetzt wurde ihm klar, dass die Franzosen um keinen Deut besser waren, nur waren sie nicht so gut organisiert. Sie hatten ja auch keinen Hitler gehabt.

Am dritten Tag sind wir wieder spazieren gegangen, diesmal bei der Motorradfabrik, wo Herr Max vor dem Krieg gearbeitet hatte. Und wieder tranken wir Kaffee bei ihm zu Hause.

Am vierten Tag hat er mich zum ersten Mal geküsst.

Und am fünften Tag, einem Sonntag, saßen wir bei ihm zu Hause im Arbeitszimmer. Herr Max zeigte mir seine Briefmarkensammlung. Er erklärte mir etwas über die Zahnung und das Ablösen der Marken. Dann fing er an, mich zu küssen... Wir gingen ins Schlafzimmer und setzten uns auf sein großes Bett.

Ich zog mich aus. Warum sollte ich denn herumzicken und die Dinge verzögern? Eure Russinnen, ja, die stellen sich erst einmal zickig, aber deutsche Frauen haben eine gesunde Einstellung zum Sex.

Ich legte mich hin, machte die Beine breit und erwartete, das er jetzt zur Tat schreitet. Aber Herr Max zündete sich eine Zigarre an und sagte, dass er mich wegen einer Verwundung nicht richtig lieben kann, obwohl er durchaus Lust dazu hätte. Er wüsste aber, wie das Problem zu lösen sei.

Ich blieb stumm und kauerte mich zusammen.

Dann rief er mit lauter Stimme: "Kommt herein, meine Herrschaften, die junge Dame ist so weit."

Einige Männer kamen ins Schlafzimmer. Alle waren glatzköpfig und dickbäuchig, nackt, besoffen und mächtig erregt. Zwei oder drei davon kannte ich aus der "Alten Brauerei". Einer war ein Saufkumpan meines Vaters und sogar älter als Max. Er trug einen Bart wie Kaiser Wilhelm. Das Einzige, was mich in Verlegenheit brachte, war die Tatsache, dass auch unser Erdkundelehrer dabei war.

Die Herrschaften machten keine langen Umstände und kamen direkt zur Sache. Sie fassten mir ohne Umschweife an die Brüste und zwischen die Beine und unterwiesen mich im Französischen. Dann legte sich der mit dem Kaiser-Wilhelm-Bart auf mich drauf und machte mich platt wie der Stiefel den Frosch. Genau wie er roch ich hinterher nach Bier und Rauch.

Nachdem er fertig war, vögelten mich alle anderen der Reihe nach durch. Der Letzte war Herr Klops. Was der gestöhnt und geröchelt hat... Er bat mich, ihm in die Augen zu sehen und ihn "Papa" zu nennen.

Das Spektakel dauerte etwa drei Stunden. Danach gingen sie wieder auf eine Runde Bier in die Kneipe.

Nun glaube bloß nicht, sie hätten mich vergewaltigt: Ich hatte volle Kanne Spaß dabei. Es tat mir nur für Herrn Max leid, dass er nicht auch etwas davon gehabt hatte. Er saß die ganze Zeit auf einem Stuhl neben dem Bett und schaute uns sehnsüchtig zu, rauchte Zigarren, trank Rotwein und streichelte mir den Kopf.

Ja, so verlor ich also meine Unschuld.

 

 

 

 

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